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Erfahrungsbericht schwere Geburt

Viele erleben es, kaum einer spricht darüber. Ich möchte das tun. Fast jeder kennt das Sprichwort: Das war aber eine schwere Geburt. Es bedeutet, dass etwas langwierig und nicht ohne Komplikationen verlaufen ist. Bei mir traf das Sprichwort zu. Ich hatte eine schwere Geburt. Die Details lasse ich hier an dieser Stelle mal weg. Meine Tochter kam im Dezember 2017 als absolutes Wunschkind auf die Welt, aber all die Komplikationen die meine Geburt und die ersten Wochen danach begleiteten, haben dazu geführt, dass ich meine Tochter als Belastung sah. Ich fühlte keine Bindung zu ihr und stellte die Entscheidung Mutter zu werden, meine Tochter und natürlich auch in erster Linie mich und meine Fähigkeiten in Frage. Für mich wurde jeder Tag zu einem Kampf. Ich funktionierte nur noch und war am Ende meiner physischen und psychischen Kräfte. Meine Tochter war ein sogenanntes Schreikind. Das waren nachts 4-5 Stunden permanentes Schreien ohne die Möglichkeit zur Beruhigung. Es waren viele Komponenten die das wohl begünstigt haben. Jedenfalls war ich nur noch ein Schatten meiner Selbst. Bis meine erfahrene und wirklich überaus engagierte Hebamme sich das nicht länger angucken konnte. Freunde und Familie um mich herum haben gutgemeinte Ratschläge gegeben, es Phasen genannt und konnten meine tatsächlich in Worte gefasste Negativität und meine Einstellung meiner Tochter und dem Muttersein gegenüber überhaupt nicht nachvollziehen. Ihrer Meinung nach müsste ich das blühende Leben sein, dass vor Glück nur so strotzt und aller Welt erzählen was für eine schöne intensive Zeit ich mit meiner kleinen süßen Maus habe. Alle Gedanken an die Geburt sind wie weggeblasen und meine Welt dreht sich nur noch um mein Kind. Ja! Genau das war es. Meine GESAMTE Welt drehte sich nur noch um mein Kind, mich und mein schlechter Zustand, meine Ängste, Wünsche und meine Wut existierten nicht und fanden keinen Platz. Ich habe natürlich gemerkt, dass das nicht der normale Zustand ist und sein kann. Daher war ich froh, als mich meine Hebamme packte und mich auf meinem Weg mir Hilfe zu holen begleitet hat. Sie hat veranlasst das ich körperlich nochmals gründlich gecheckt wurde und ich dann Gott sei Dank endlich genesen konnte und physisch wieder zu Kräften kam. Außerdem hat sie mich angehalten auch für den Teil der psychischen Schwierigkeiten und der Schwierigkeiten im Umgang mit meiner Tochter um Hilfe zu bitten. Sie gab mir verschiedene Anlaufstellen und ich habe mich dort gründlich informiert wie die Unterstützung für mich und mein Kind aussehen würde. Und nachdem ich bei den ersten Stellen irgendwie nicht das Gefühl hatte dort mit meinem Problem richtig zu sein, veranlasste ich einen Termin mit der Frühförderstelle aus Kitzingen. Frau Hofmann kam zu einem Hausbesuch zu mir nach Hause. Alleine dieser Umstand war äußerst angenehm, da ich mit meinem schreienden Baby sehr ungern unterwegs war. Das hat regelrechte Stressanfälle bei mir ausgelöst. Das war der erste Punkt an dem ich mich bereits etwas "abgeholt" gefühlt habe. In dem Gespräch hat Frau Hofmann all meine Lebenssituationen beleuchtet und in einem sehr beruhigenden und intuitiven Gespräch gemeinsam mit mir herausgefunden, dass eine Zusammenarbeit zwischen der Frühförderstelle und mir/meiner Tochter genau das Richtige wäre. Frau Hofmann hat mir und meinem Partner dann in einem zweiten Gespräch erklärt was auf uns zukommt, was wir erwarten können und wie die weitere Vorgehensweise mit dem Beantragen der Förderung bei den Behörden aussieht. Danach kam Frau Harks als Physiotherapeutin für meine Tochter und nach erster Begutachtung standen bei ihr dann Regulationsstörung, Fütterstörung, muskuläre Hypertonie und Schlafstörungen als Diagnose fest. Also begann ab Februar 2018 die wöchentliche Physiotherapie für meine Tochter. Ich wurde darin begleitet wie ich meine Tochter fördern kann, ihr helfen kann in die Entspannungsphasen zu gelangen und sich selbst zu regulieren. Das war vor allem für die Schlafproblematik eine ganz entscheidende Hilfestellung. Zeitgleich erarbeitete die Psychologin in wöchentlichen Terminen mit mir, welche Problematik ich für mich in der Beziehung und Bindung zu meiner Tochter sah. Sie half mir all die kleinen, schönen Momente und Situationen mit meiner Maus zu wertschätzen und somit ausgeglichener im Umgang mit ihr zu werden. Dies beides in Kombination hat dazu beigetragen, dass ich wesentlich selbstsicherer und nicht mehr so extrem angstvoll und verkrampft in die Situationen mit meinem Kind gegangen bin und das wiederrum hat meine Tochter gespürt. Sie zeigte mir, wie ich als Mutter der Spiegel meiner Tochter bin. Finde ich zur Ruhe und habe das Selbstvertrauen die Situation zu kontrollieren, dann nahm meine Tochter diese Ruhe auf. Auch sie wurde ruhiger. Die Physiotherapie konnte schon im Mai 2018 wieder beendet werden, da meine Tochter dadurch den stressbedingten Hypertonus gut überwand und auch die psychologischen Beratungstermine konnten im Juni 2018 eingestellt werden. Die Frühförderstelle ist ein idealer Anlaufpunkt, wenn man Hilfe zur Selbsthilfe und einfühlsames Begleiten schwerer Situationen mit seinem Kind sucht. Mittlerweile ist meine Tochter etwas älter als ein Jahr und ein absoluter Wirbelwind. Sie hat sich körperlich prächtig entwickelt begann früh zu sitzen und zu laufen. Sie ist mein Sonnenschein und wir haben eine ausgeglichene tolle Beziehung zueinander. Die Schreiphasen wurden mit dem voranschreiten der körperlichen Fähigkeiten immer weniger. Sie wird immer ein sehr impulsives Kind bleiben, die sehr deutlich macht was sie möchte und was nicht. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen und das auch entsprechend ihren Neigungen und Fähigkeiten zu nutzen und sie damit zu fördern. Hier an dieser Stelle ein unglaubliches Dankeschön an Frau Hofmann und Frau Harks für die Begleitung durch diese heftige Zeit! Und an alle Mütter, die ähnliche Gefühle und Probleme nach ihrer Geburt des Kindes haben. Hört auf euer Bauchgefühl. Wenn euch das sagt, dass etwas nicht so ist, wie es sein soll – dann hört darauf und holt euch Hilfe. Lasst all diese Ratschläge von eurem Umfeld, das euch sagen möchte wie ihr euch fühlen sollt einfach abprallen und geht euren Weg. Für euch und die Beziehung zu eurem Kind!

 

Frühförderung aus Elternsicht

Unser Sohn B. kam im Oktober 2010 zur Welt. Bei Entlassung aus der Klinik galt B. als gesundes Kind, abgesehen von Klumpfüßen, die in den ersten Lebensmonaten entsprechend therapiert wurden. Jedoch blieben im Laufe der ersten Monate die erwarteten Entwicklungsschritte aus; erste Sorgen kamen auf und auch die Idee, die Hilfe einer Frühförderstelle in Anspruch zu nehmen. Bevor diese jedoch starten konnte, überschlugen sich die Ereignisse. B. hatte mit ca. einem halben Jahr epileptische Anfälle, es folgte ein wochenlanger Klinikaufenthalt. Nachdem zumindest eine Teildiagnose feststand, die uns klarmachte, wie schwerwiegend B. von einer Behinderung betroffen ist, stand für uns Eltern der Entschluss fest, die Frühförderung auf jeden Fall in Anspruch zu nehmen. Der große Vorteil für uns war zuallererst, dass die Förderung bei uns zu Hause stattfinden konnte, ständige Fahrten (auch zum Krankengymnastikrezepte abholen) entfielen.

Nun kommt seit Sommer 2011 eine Physiotherapeutin zweimal die Woche zur Bobath-Therapie, eine weitere Physiotherapeutin einmal die Woche zur Kontrolle unserer Vojtaübungen, die wir selbst zweimal täglich mit B. durchführen.

Im Januar 2012 kam noch eine Frühförderin des Blindeninstituts Würzburg hinzu, die einmal wöchentlich die Förderung des Sehens und aller weiteren Sinne übernimmt. Mittlerweile sind alle Therapeutinnen fast schon Familienmitglied, es herrscht eine entspannte Atmosphäre und auch für die Sorgen von uns Eltern haben die Therapeutinnen stets ein offenes Ohr.

Auch bei vielen Fragen rund um Ernährung, Gesundheit etc. steht uns unsere Bobath-Therapeutin beratend zur Seite und ist somit ein wichtiger Ansprechpartner für uns geworden. In den vielen Förderstunden haben wir aber noch sehr viel mehr als Förderung mitgenommen, z. B. welche Förderungen, Lagerungen etc. lassen sich wie in den Alltag integrieren, wie könnte man Bereiche der Wohnung für das Kind ansprechender gestalten. Auch die Versorgung des Kindes mit den erforderlichen Hilfsmitteln, Orthesen etc. wurde von einer Therapeutin beratend begleitet.

Interessant sind für B. und uns Eltern auch die Fülle an Spiel- und Fördermitteln, die die Therapeutinnen regelmäßig aus ihren Kisten zaubern und uns Eltern viele Anregungen bieten, diese in unseren Alltag zu übernehmen.

Bis heute kann ich jedenfalls sagen, dass es für uns die richtige Entscheidung war, die Förderung in die Hände der Frühförderstelle zu legen. Der hier stattfindende Austausch zwischen den einzelnen Therapeuten, deren fundierte Ausbildung und langjährige Erfahrung, gibt uns die Sicherheit, dass die bestmögliche Frühförderung für B. gewährt wird.

 

Purzelgruppe aus Elternsicht

Einmal monatlich findet die Purzelgruppe statt. In der Turnhalle der Frühförderstelle treffen sich die Kleinsten der von der Frühförderstelle betreuten Kinder und ihre Eltern. Bei Kaffee und Kuchen bietet sich hier für uns Eltern die Gelegenheit zum Austausch mit anderen Familien, deren Kinder ebenfalls von einer Behinderung oder starken Entwicklungsverzögerung betroffen sind.

Für die Kinder werden allerlei Spielgeräte bereitgestellt und die Kinder werden von einer Physiotherapeutin und einer Psychologin betreut. So können die Eltern sich auf das Gespräch untereinander konzentrieren. Aber wir passen auch gegenseitig auf die Kinder auf und die zwei „Fachfrauen“ beteiligen sich am Gespräch. Natürlich sind auch Geschwisterkinder willkommen.

So finden wir Eltern Kontakt zu anderen Familien mit „besonderen“ Kindern. Wir lernen uns gegenseitig kennen, tauschen Erfahrungen, Tipps und Tricks aus. Manchmal kann man anderen Betroffenen auch Erlebnisse und Gefühle erzählen, die diese wegen der vergleichbaren Situation gut verstehen können.

Unsere Kinder finden hier die Möglichkeit mit anderen Kindern in einer kleinen Gruppe zu spielen, zu lernen und Rücksicht aufeinander zu nehmen.

Gerade weil ein Treffen mit anderen Eltern und Kindern beim Babyschwimmen, Pekip, Krabbelgruppe etc. mit unseren Kindern schwierig ist, können hier Themen, Fragen, Erfahrungen besprochen werden, die das Großwerden eines „besonderen“ Kindes mit sich bringen.
Die Therapeutinnen der Frühförderstelle bemühen sich mit Infomaterial (z.B. Zeitschrift Downsyndrom, Pflegegeld-Handbuch) oder Informationsabenden mit Fachleuten um alle offenen Fragen zu beantworten und das Gespräch untereinander zu fördern.

Wichtige Themen für uns sind immer wieder:

  • Behindertenausweis
  • Pflegestufen, Pflegegeld
  • Verhinderungspflege
  • Kindergartenwahl und besondere Möglichkeiten wie z.B. SVE
  • Und viele aktuell interessante Themen

 

Einzelintegration

Was ist Einzelintegration?

Es ist in kurzen Worten die Begleitung und Unterstützung eines Kindes mit besonderen Bedürfnissen (z.B. durch eine Behinderung oder starke Entwicklungsverzögerung) in der Kindergartengruppe, damit dieses Kind seinen Platz in der Gruppe findet. Es ist aber auch die Anleitung und Unterstützung der Erzieherinnen im Umgang mit dem Kind in der Gruppe und die Zusammenarbeit mit den Eltern im Rahmen des Kindergartenalltags.

 

Ein Jahr Einzelintegration mit einem vierjährigen Buben im örtlichen Kindergarten:

Im September 2009 begann meine Arbeit in einer Kindergartengruppe mit 22 Kindern. Ich besuchte Anton (Name geändert) zweimal in der Woche für je 90 Minuten in seiner Gruppe.

Anton ist ein kleiner lebhafter Junge mit Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung, motorischen Entwicklung und im Sozialverhalten. Er hat einen deutlichen Entwicklungsrückstand. Anfangs war Anton unsicher und brauchte Zeit, um sich an mich zu gewöhnen. Die anderen Kinder waren sehr offen und für sie war es schnell zur Gewohnheit geworden, dass ich komme, um „Anton zu helfen und mit ihm zu lernen“.

Aufgrund seiner besonderen Bedürfnisse brauchte Anton hauptsächlich Unterstützung beim Erlernen von Regeln und Gewohnheiten im Kindergartenalltag und im Umgang mit anderen Kindern. Mit den sehr engagierten und offenen Erzieherinnen erarbeitete ich Möglichkeiten und Strukturen, um für Anton die nötigen Regelmäßigkeiten im Alltag zu schaffen, die er brauchte, um sich wohlzufühlen, aber auch gleichzeitig auf genügend „Freiheiten“ für die anderen Kinder zu achten.

Meine Aufgabe war es auch, viel zu beobachten, um Anton bei Krisen mit anderen Kindern zu helfen, Lösungen zu finden, so dass auch die Bedürfnisse der anderen Kinder Beachtung fanden. Wichtig war es mir, dass das zu betreuende Kind keine Sonderrolle erhielt und somit für die anderen Kinder zum Außenseiter wird.

Nach ca. 3 Monaten hatte Anton seinen festen Platz in der Gruppe gefunden und wurde mit immer wieder notwendigen „Erklärungen und Gesprächen“ mit den anderen Kindern so akzeptiert, wie er war. Anton erlebte immer wieder kleine Anzeichen von Zuwendung, er wurde zu einem gemeinsamen Spiel aufgefordert oder die Kinder wollten mitspielen, wenn ich mit ihm spielte. Die Begleitung und Unterstützung beschränkte sich nicht nur auf den Alltag in der Kindergartengruppe, sondern ich war auch bei vielen Aktivitäten außerhalb des Kindergartens dabei, z.B. Waldtag, Nikolausfeier, Fasching, Spaziergänge oder auf dem Spielplatz. Für Anton war es wichtig zu erfahren, dass sich die nötige Hilfe für ein angemessenes Sozialverhalten auf alle Aktivitäten des Kindergartenalltags bezog.

Im Verlauf des Jahres konnten die Erzieherinnen feststellen, dass Anton, auch wenn ich nicht da war, veränderte Verhaltensmuster zeigte und sich viel wohler im Kindergarten fühlte.

Die Elternarbeit fand im Rahmen des Kindergartenalltages statt, d.h. Elterngespräche fanden immer mit den Erzieherinnen gemeinsam statt.

Im Rückblick kann ich sagen, dass es ein schönes Jahr für mich war, mit vielen positiven Erfahrungen für mich, für die Erzieherinnen und für alle Kinder der Gruppe bzw. den Kindergarten und nicht zuletzt natürlich auch (ganz wichtig!) für Anton und seine Familie.

 

sensorische Integrationstherapie

Sensorische Integration gehört zur normalen Entwicklung und bedeutet das Ordnen, Verarbeiten und Koordinieren von Empfindungen aus verschiedenen Sinneskanälen. Sie betrifft vor allem den Gleichgewichtssinn, die Tiefensensibilität und den Tastsinn. Nach einer guten Eingliederung dieser Sinne können daraus Wahrnehmung, Lernprozesse und angepasste Verhaltensweisen geformt werden. Sensorische Integration – die Verbindung und Verarbeitung von allen Sinnen – ist die Grundlage für Haltung und Bewegung, für alles motorische und geistige Lernen und die emotionale Entwicklung. Verzögerungen der Entwicklung können Hinweise auf Störungen im sensorischen Integrationsprozess sein. Eltern merken zuerst, wenn hierbei etwas nicht stimmt. Aber sie sind oft unsicher, wie sie ihre Beobachtungen einschätzen sollen. Was ist eine verspätete Entwicklung, die man abwarten kann, und wann zeichnet sich eine Störung ab, die Behandlung braucht? Kinder sind unterschiedlich schnell in ihrer Entwicklung. Aber sie machen stetig kleine Fortschritte. Kinder sind von Natur meist sehr sicher in der Auswahl von Sinnesnahrung und bei der Auswahl von Betätigungen zu ihrer sensomotorischen Lernerfahrung. Damit strukturieren und entwickeln sie ihr Nervensystem und Gehirn in der spielenden Betätigung. Sie tun das mit Neugier, Tatendrang und Freude. Es ist ein enorm wichtiger Vorgang und bildet die Grundlage für Bewegung, Sprache, Denken und schulisches Lernen.